Das neue Kalenderjahr hat begonnen, doch am Bienenstand bestimmt weiterhin der Winter den Alltag. An kalten Tagen sitzen die Bienen eng in ihrer Wintertraube und halten sich gegenseitig warm. Sie leben von den Vorräten, die sie im vergangenen Jahr eingelagert haben.
Ganz still steht die Entwicklung allerdings nicht: Je nach Standort und Witterung können die Völker im Januar bereits wieder kleine Brutflächen pflegen. Der Frühling beginnt im Innern der Beute oft früher, als wir von aussen vermuten.
Winterruhe bewahren
Auch wenn die Neugier gross ist: Im Januar gibt es normalerweise keinen Anlass für eine routinemässige Durchsicht. Wir lassen die Beuten geschlossen und vermeiden unnötige Erschütterungen.
Ein kurzer Kontrollgang genügt meist, um nach dem Rechten zu sehen. Dabei richten wir den Blick auf die Beuten und ihre Umgebung. Nur wenn konkrete Auffälligkeiten auf ein Problem hinweisen, klären wir dieses gezielt ab.
Nach Schnee und Sturm kontrollieren
Besonders nach starkem Wind oder Schneefall lohnt sich ein Rundgang. Dabei achten wir auf folgende Punkte:
- Beuten stehen weiterhin stabil und sicher
- Deckel und Befestigungen sitzen fest
- Fluglöcher sind nicht durch tote Bienen, Schnee oder Eis verschlossen
- Mäuseschutz und vorhandener Spechtschutz sind intakt
- Äste oder lose Gegenstände schlagen nicht gegen die Beuten
Verstopfte Fluglöcher machen wir vorsichtig frei, ohne dabei im Volk zu stochern oder die Beute zu erschüttern. Ein freier Zugang ermöglicht den Bienen an milden Tagen auch den Ausflug.
Milde Tage zum Beobachten nutzen
Wenn die Wintersonne scheint und die Temperaturen steigen, können die Bienen zu einem Reinigungsflug ausfliegen. Dabei entleeren sie ihre Kotblase, nachdem sie unter Umständen mehrere Wochen in der Beute geblieben sind.
Solche Tage bieten Gelegenheit, die Fluglöcher zu beobachten. Nicht jedes Volk wird gleichzeitig oder gleich stark aktiv. Aus einem einzelnen ruhigen Flugloch lässt sich deshalb noch kein sicherer Schluss über den Zustand des Volkes ziehen.
Ein milder Nachmittag ist zudem noch kein Frühlingsbeginn. Für eine Durchsicht braucht es einen konkreten Anlass und passende Bedingungen.
Futterreserven im Blick behalten
Die sorgfältige Auffütterung im Spätsommer bleibt die Grundlage für eine sichere Überwinterung. Trotzdem behalten wir die Vorräte im Auge.
Bei Magazinbeuten kann eine schonende Gewichtskontrolle Hinweise geben, ohne dass wir das Volk öffnen müssen. Besonders hilfreich ist der Vergleich mit früheren Messungen derselben Beute. Das Gewicht allein zeigt allerdings nicht, ob die Bienen das eingelagerte Futter auch erreichen können.
Besteht ein konkreter Verdacht auf Futtermangel, warten wir nicht einfach bis zum Frühling. Dann braucht es eine gezielte Beurteilung und bei Bedarf eine geeignete Notfütterung.
Material für die kommende Saison vorbereiten
Während die Bienen möglichst ungestört bleiben, können wir uns um die Arbeiten abseits des Bienenstands kümmern.
Jetzt ist Zeit, leere Beuten und Geräte zu reinigen, beschädigte Teile zu reparieren und Rähmchen vorzubereiten. Auch ein Blick auf das vorhandene Material lohnt sich: Sind genügend Zargen, Böden und Hilfsmittel für die Jungvolkbildung vorhanden?
Eine einfache Liste mit Reparaturen und fehlenden Teilen hilft, die Vorbereitungen zu verteilen. Was im Januar erledigt ist, fehlt später nicht mitten in der Saison.
Zeit für Rückblick und Weiterbildung
Der Jahresbeginn bietet Gelegenheit, die Aufzeichnungen der vergangenen Saison durchzugehen. Welche Völker haben sich gut entwickelt? Wo gab es Schwierigkeiten? Welche Arbeiten möchten wir künftig anders organisieren?
Daraus lassen sich konkrete Ziele ableiten – etwa für die Jungvolkbildung, die Königinnenzucht oder die eigene Arbeitsweise.
Auch Fachliteratur, Kurse und der Austausch im Imkerverein passen gut in diese ruhigere Zeit. Wer einen Messebesuch plant, kann bereits Termine vormerken und Fragen sammeln. So verbinden wir neue Anregungen mit den Erfahrungen am eigenen Bienenstand.
Tipp aus der Praxis
Ein kleines Notizbuch oder eine einfache digitale Liste macht die Winterrundgänge wertvoller. Wir halten kurz fest, wann wir kontrolliert haben und was aufgefallen ist. So erkennen wir Veränderungen leichter und müssen uns im Frühling nicht allein auf die Erinnerung verlassen.
Im Januar brauchen die Bienen vor allem Ruhe, ausreichend Futter und einen sicheren Stand. Wir nutzen die Zeit, um mit klarem Kopf in die nächste Saison zu starten.
