Bienen Naef
Ein Jahr im Bienenvolk

Dezember: Stille am Stand

Wachs, Rähmchen und Pläne – das Jahr klingt aus.

Andreas Naef03. September 20265 min Lesezeit
Honigglas von Bienen Naef auf Holz

Im Dezember kehrt Ruhe am Bienenstand ein. Die Völker sitzen in der Wintertraube und leben von ihren eingelagerten Vorräten. Für uns Imkerinnen und Imker gilt jetzt vor allem: beobachten und möglichst wenig stören.

Von aussen kontrollieren wir, ob die Fluglöcher frei sind, die Beuten trocken und stabil stehen und keine Schäden durch Mäuse, Spechte, Sturm oder Schnee entstanden sind.

Was im Volk passiert

Mit sinkenden Temperaturen ziehen sich die Bienen zur Wintertraube zusammen. Im Innern erzeugen sie durch Muskelarbeit Wärme und wandern langsam den Futtervorräten entlang.

Viele Völker sind im Dezember vorübergehend brutfrei. Der genaue Zeitpunkt hängt jedoch von Witterung, Standort und Volksentwicklung ab. Deshalb sollte die Brutfreiheit nicht einfach vorausgesetzt werden.

Je weniger wir die Wintertraube stören, desto besser. Die Beuten bleiben deshalb geschlossen, solange kein konkreter Grund für einen Eingriff besteht.

Kontrolle im Winter

Auch im Dezember lohnt sich ein gelegentlicher Rundgang am Bienenstand:

  • Nach Sturm oder starkem Schneefall Fluglöcher und Beuten kontrollieren
  • Darauf achten, dass Fluglöcher nicht dauerhaft durch Schnee oder tote Bienen blockiert werden
  • Sitz und Stabilität der Beuten überprüfen
  • Bei Verdacht auf Futtermangel das Gewicht vorsichtig von aussen abschätzen
  • Unnötiges Öffnen, Klopfen und Erschüttern vermeiden

Ein Blick auf das Flugloch und gegebenenfalls auf die Gemülleinlage kann bereits viele Hinweise liefern, ohne das Volk zu öffnen.

Winterbehandlung gegen Varroa

Die brutfreie Zeit im Spätherbst und Winter ist ein wichtiger Zeitpunkt für die Varroabehandlung mit Oxalsäure. Da sich während der Brutfreiheit praktisch alle Milben auf den erwachsenen Bienen befinden, kann die Behandlung besonders wirksam sein.

Vor der Behandlung sollte jedoch sichergestellt werden, dass das Volk tatsächlich brutfrei ist. Welche Behandlungsmethode eingesetzt wird, richtet sich zudem nach den zugelassenen Verfahren und den jeweiligen Temperaturbedingungen.

Werkstatt und Wachs

Während am Bienenstand wenig zu tun ist, beginnt die Arbeit in der Werkstatt.

Altes Wachs wird eingeschmolzen, gereinigt und geklärt. Aus sauberem eigenem Wachs können später beispielsweise Mittelwände oder Kerzen entstehen.

Daneben ist jetzt Zeit, Rähmchen zu reinigen und zu drahten, Beuten zu reparieren, Werkzeug zu pflegen und das Material für die kommende Saison vorzubereiten.

Rückblick und Planung

Der Dezember eignet sich auch für den Rückblick auf das vergangene Bienenjahr. Wir werten unsere Aufzeichnungen aus:

  • Honigerträge
  • Varroakontrollen und Behandlungen
  • Volksentwicklung
  • Königinnen und Zuchtergebnisse
  • Jungvölker
  • Verluste und Auffälligkeiten

Aus diesen Erfahrungen entsteht die Planung für das kommende Jahr. Wie viele Jungvölker möchten wir bilden? Welche Königinnen sollen weitergeführt werden? Wie viele Zuchtserien sind geplant? Welches Material fehlt?

So beginnt das neue Bienenjahr eigentlich schon mitten im Winter.

Tipp aus der Praxis

Honig lässt sich bei richtiger Lagerung sehr lange aufbewahren. Ideal ist ein luftdicht verschlossenes Gefäss an einem dunklen, trockenen und kühlen Ort.

Kristallisiert Honig, ist das kein Qualitätsmangel, sondern ein natürlicher Vorgang. Soll er wieder weicher oder flüssiger werden, kann er langsam im Wasserbad erwärmt werden. Dabei gilt: möglichst schonend und nur so lange wie nötig erwärmen. Zu hohe Temperaturen oder eine lange Wärmeeinwirkung beeinträchtigen insbesondere die wärmeempfindlichen Enzyme des Honigs.

Der Dezember gehört vor allem den Bienen. Für uns beginnt die Zeit des Rückblicks, der Vorbereitung und der Vorfreude auf den ersten Reinigungsflug.
BienenjahrDezemberWachs

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