Bienen Naef
Königinnenzucht

Bienenkönigin wechseln – warum das Umweiseln manchmal scheitert

Wann gelingt das Zusetzen einer neuen Bienenkönigin besonders gut? Warum spielt die Jahreszeit eine wichtige Rolle, und welche Methode eignet sich wann? Unsere Erfahrungen aus der Königinnenzucht und aktuelle Fachempfehlungen.

Andreas Naef31. Oktober 20269 min Lesezeit
Blau markierte Bienenkönigin mit Arbeiterinnen auf einer Brutwabe

Wer schon einmal eine sorgfältig gezüchtete Königin in ein Wirtschaftsvolk eingeweiselt hat, kennt die Unsicherheit: Wird sie angenommen? Beginnt sie wieder mit der Eiablage? Oder wird sie von den Arbeiterinnen abgestochen?

Tatsächlich gehört das Zusetzen einer Königin zu den anspruchsvolleren Eingriffen in ein Bienenvolk. Selbst erfahrene Imkerinnen und Imker erleben gelegentlich Misserfolge.

Dabei lassen sich die Erfolgsaussichten mit der richtigen Vorbereitung und einer geeigneten Methode deutlich verbessern.

Warum überhaupt eine Bienenkönigin wechseln?

Die Königin ist für die Fortpflanzung und damit für die langfristige Entwicklung des Bienenvolkes entscheidend. Ihre Legeleistung, ihre Gesundheit und ihre genetischen Eigenschaften beeinflussen wesentlich, wie sich das Volk entwickelt.

Es gibt verschiedene Gründe, eine Königin zu ersetzen:

Nachlassende Legeleistung: Mit zunehmendem Alter kann die Legeleistung einer Königin zurückgehen. Ein unregelmässiges Brutnest, eine schwache Volksentwicklung oder zunehmende Drohnenbrütigkeit können Hinweise auf Probleme mit der Königin sein. Allerdings sollten auch andere Ursachen wie Futtermangel, Krankheiten oder Varroabelastung berücksichtigt werden.

Unerwünschte Eigenschaften: Ein stechfreudiges Volk, ausgeprägte Schwarmneigung oder ein unruhiger Wabensitz können Gründe sein, die Königin durch eine gezielt ausgewählte Zuchtkönigin zu ersetzen.

Gezielte Zucht und Selektion: Mit einer neuen Königin lassen sich bestimmte Eigenschaften in ein Bienenvolk einbringen. Für uns stehen insbesondere Sanftmut, Vitalität, gute Volksentwicklung und eine verbesserte Varroaresistenz im Vordergrund.

Gerade die Varroaresistenzzucht zeigt, wie wichtig die gezielte Auswahl von Königinnen ist. Eigenschaften wie VSH (Varroa Sensitive Hygiene) können durch Selektion und geeignete Anpaarungen gefördert werden.

Dabei ist zu beachten: Mit dem Wechsel der Königin verändert sich die Zusammensetzung des Volkes nicht sofort. Erst mit dem Heranwachsen der neuen Arbeiterinnengeneration kommen die genetischen Eigenschaften der neuen Königin und ihrer Drohnenpartner zunehmend zum Tragen.

Nicht jedes Volk braucht regelmässig eine neue Königin. Eine gesunde, vitale und leistungsfähige Königin kann durchaus über mehrere Jahre gute Arbeit leisten. Entscheidend sollte deshalb vor allem die Beurteilung des Volkes sein.

Warum ist das Zusetzen einer neuen Königin schwierig?

Ein Bienenvolk ist eine hoch organisierte soziale Gemeinschaft. Die Königin kommuniziert über verschiedene Pheromone mit den Arbeiterinnen. Diese chemischen Signale spielen eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt des Volkes und die Regulation des Brut- und Nachschaffungsverhaltens.

Wird eine fremde Königin zugesetzt, muss sie von den Arbeiterinnen zunächst akzeptiert werden. Das ist nicht selbstverständlich.

Besonders wichtig ist der bisherige Zustand des Volkes. Befindet sich noch eine andere Königin im Volk, wird die neue Königin häufig nicht angenommen. Auch eine unbegattete, möglicherweise unbemerkte Jungkönigin kann zum Problem werden.

Daneben spielt die vorhandene Brut eine wichtige Rolle.

Ein weiselloses Volk mit jungen Larven kann selbst Nachschaffungszellen anlegen. Hat es bereits mit der Aufzucht einer eigenen Königin begonnen, wird eine zugesetzte Königin unter Umständen schlechter akzeptiert.

Interessanterweise kann deshalb ein Volk, das erst seit einigen Tagen weisellos ist, schwieriger umzuweiseln sein als eines, bei dem die Voraussetzungen gezielt vorbereitet wurden.

Der Schweizer Bienengesundheitsdienst weist ausdrücklich darauf hin, dass das Zusetzen in ein seit einem bis sieben Tagen weiselloses Volk häufig problematisch ist.

Auch der Zustand der neuen Königin ist entscheidend

Eine begattete Königin, die bereits seit einigen Wochen regelmässig Eier legt, wird im Allgemeinen besser angenommen als eine sehr junge Königin, die gerade erst mit der Eiablage begonnen hat.

Der Bienengesundheitsdienst empfiehlt deshalb, dass eine neue Königin vor dem Zusetzen möglichst bereits mindestens drei Wochen in Eilage war.

Beim Versand kommt eine weitere Herausforderung hinzu: Während des Transports kann die Königin keine Eier legen. Diese Unterbrechung kann ihre Attraktivität für die Arbeiterinnen vorübergehend beeinflussen.

Auch deshalb ist es sinnvoll, einer gelieferten Königin nach dem Transport möglichst günstige Bedingungen für die Wiederaufnahme der Eiablage zu bieten.

Wann ist die beste Jahreszeit zum Umweiseln?

Die Jahreszeit hat einen erheblichen Einfluss auf die Annahmebedingungen. Dabei ist die Situation etwas differenzierter, als man zunächst vermuten könnte.

Der Schweizer Bienengesundheitsdienst unterscheidet in seinem aktuellen Merkblatt drei wichtige Zeiträume.

Animation: Die drei Zeiträume zum Umweiseln – Frühjahr, Sommer und Herbst im Überblick

Frühjahr: März und April

Im frühen Frühjahr gelingt das Umweiseln nach imkerlicher Erfahrung häufig besonders gut.

Die Völker sind noch vergleichsweise klein und befinden sich im Aufbau. Gleichzeitig ist ihre Bereitschaft zur eigenen Königinnenaufzucht oft noch eingeschränkt.

Die Schwierigkeit liegt hauptsächlich in der Verfügbarkeit geeigneter Ersatzköniginnen. Neue Königinnen aus der laufenden Zuchtsaison gibt es zu diesem Zeitpunkt in der Schweiz normalerweise noch nicht.

Wer überwinterte Reserveköniginnen zur Verfügung hat, kann diese jedoch gut einsetzen.

Frühsommer bis Spätsommer: Mai bis Mitte September

In dieser Zeit stehen die meisten begatteten Königinnen aus der laufenden Zuchtsaison zur Verfügung.

Trotzdem kann das direkte Umweiseln anspruchsvoller sein.

Die Bienenvölker sind häufig stark, besitzen viel Brut und können bei Weisellosigkeit eigene Königinnen nachziehen. Besonders während Trachtlücken, bei Futtermangel oder Räubereistimmung können sich die Bedingungen zusätzlich verschlechtern.

Das bedeutet aber nicht, dass ein Königinnenwechsel im Sommer grundsätzlich schwierig sein muss.

Gute Trachtverhältnisse, eine ausreichende Futterversorgung und die richtige Zusetzmethode können die Annahme wesentlich begünstigen.

Gerade in dieser Jahreszeit bevorzugen wir das Zusetzen über einen kleinen Kunstschwarm oder ein Jungvolk.

Herbst: Mitte September bis Ende Oktober

Überraschend für manche Imkerinnen und Imker: Der Herbst bietet häufig besonders gute Voraussetzungen für einen Königinnenwechsel.

Der Bienengesundheitsdienst bezeichnet die Zeit von Mitte September bis Ende Oktober ausdrücklich als günstige Phase für das Umweiseln.

Die Brutaktivität nimmt ab, und das Volk hat weniger Möglichkeiten, selbst eine neue Königin aufzuziehen. Gleichzeitig ist das Wirtschaftsvolk in seiner Entwicklung meist ruhiger als während der Hauptsaison.

In dieser Zeit kann deshalb auch das direkte Zusetzen einer begatteten Königin gut gelingen.

Allerdings stehen im Herbst weniger neue Königinnen zur Verfügung. Ausserdem müssen die Volksstärke, die Futterversorgung, die Varroasituation und die Witterung berücksichtigt werden.

Sehr späte Umweiselungen bei ungünstigen Temperaturen sind nicht ohne Risiko.

Entscheidend ist also nicht allein der Kalendermonat. Volkszustand, Trachtverhältnisse, Wetter und Zusetzmethode sind mindestens ebenso wichtig.

Welche Methode zum Zusetzen ist die beste?

Eine Methode, die unter allen Bedingungen einen hundertprozentigen Erfolg garantiert, gibt es nicht.

Wir unterscheiden vor allem drei Möglichkeiten.

1. Über einen kleinen Kunstschwarm – unsere bevorzugte Methode

Besonders bei wertvollen Zuchtköniginnen setzen wir die neue Königin bevorzugt zuerst in einen kleinen Kunstschwarm.

Dieser besteht aus überwiegend jungen Arbeiterinnen und besitzt zunächst keine Brut. Damit fehlt den Bienen auch die Möglichkeit, aus eigener Brut eine neue Königin nachzuziehen.

Für die Bildung eines solchen Kunstschwarms eignet sich beispielsweise eine Mini-Plus-Beute, eine kleine Ablegerbeute oder eine andere passende Kleinbeute.

Wir bevorzugen eine Variante, bei der die Bienen direkt in die vorbereitete Beute eingeschlagen werden. Wird die Einheit anschliessend auf einem mindestens drei Kilometer entfernten Bienenstand aufgestellt, kann auf die Kellerhaft verzichtet werden.

Die neue Königin wird geschützt im Zusetzkäfig zugegeben und über den Futterteigverschluss verzögert freigelassen.

Anschliessend erhält sie mehrere Wochen Zeit, sich in der kleinen Einheit zu etablieren und ein eigenes Brutnest aufzubauen.

Ist das Jungvolk gut entwickelt, wird es zusammen mit der Königin und möglichst auch der Brut mit dem vorgesehenen Wirtschaftsvolk vereinigt.

Der grosse Vorteil: Die Königin muss nicht unmittelbar nach dem Transport in einem starken, fremden Wirtschaftsvolk bestehen. Stattdessen kommt sie später mit einer bereits eingespielten kleinen Bienengemeinschaft ins neue Volk.

Dieses Vorgehen wird auch in der internationalen Fachliteratur für besonders wertvolle Königinnen empfohlen.

2. Zusetzen über einen Brutableger

Eine weitere Möglichkeit ist ein kleiner Brutableger mit ausreichend jungen Bienen und schlüpfender Brut.

Die jungen Arbeiterinnen können die neue Königin gut versorgen. Allerdings besitzt ein Brutableger mit offener Brut zunächst die Möglichkeit, eigene Königinnen nachzuziehen.

Deshalb muss die Einheit sorgfältig vorbereitet werden.

Eine bewährte Vorgehensweise besteht darin, den Ableger ungefähr neun Tage vor dem geplanten Zusetzen weisellos zu bilden.

Bis zur Lieferung der neuen Königin ist die junge Arbeiterinnenbrut dann weitgehend verdeckelt. Vor dem Zusetzen müssen sämtliche Nachschaffungszellen zuverlässig entfernt werden.

Anschliessend kann sich auch diese Königin zunächst im kleinen Jungvolk etablieren, bevor die Einheit mit einem Wirtschaftsvolk vereinigt wird.

3. Direktes Umweiseln eines Wirtschaftsvolkes

Das direkte Zusetzen einer neuen Königin in ein bestehendes Wirtschaftsvolk ist ebenfalls möglich.

Besonders im Herbst kann dieses Verfahren gute Ergebnisse liefern.

Die einfachste Variante besteht darin, die bisherige Königin zu entfernen und die neue Königin geschützt über einen Zusetzkäfig mit Futterteigverschluss einzuweiseln.

Bei schwierigeren Bedingungen kann eine längere Vorbereitung sinnvoll sein.

Eine bewährte Möglichkeit ist es, die bisherige Königin ungefähr neun Tage vor dem geplanten Wechsel in einem geeigneten Käfig im Volk einzusperren. Sie kann dann keine Eier mehr legen.

Nach neun Tagen ist die Arbeiterinnenbrut weitgehend verdeckelt. Die alte Königin wird entfernt und das Volk sorgfältig auf mögliche Weiselzellen kontrolliert. Erst danach wird die neue Königin zugesetzt.

Warum neun Tage? Nach neun Tagen ist die offene Brut verdeckelt, das Volk kann keine eigene Königin mehr nachziehen

Alternativ kann die alte Königin bereits neun Tage vorher vollständig entfernt werden. In diesem Fall müssen vor dem Zusetzen sämtliche Nachschaffungszellen ausgebrochen werden.

Wichtig: Diese beiden Vorgehensweisen sind nicht identisch. Sie verfolgen jedoch dasselbe Ziel: die Möglichkeiten des Volkes zur eigenen Nachschaffung zu reduzieren und damit die Annahme der neuen Königin zu verbessern.

Was beeinflusst den Erfolg besonders?

Unabhängig von der gewählten Methode gibt es einige Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können.

  • Sichere Weisellosigkeit: Es darf keine andere Königin vorhanden sein. Auch Weiselzellen müssen je nach Verfahren sorgfältig kontrolliert werden.
  • Gute Futterversorgung: Tracht und ausreichende Futterreserven begünstigen die Annahme. Bei Trachtmangel kann eine vorsichtige Fütterung helfen.
  • Junge Bienen: Kleine Einheiten mit überwiegend jungen Arbeiterinnen bieten häufig besonders günstige Bedingungen.
  • Verzögerte Freilassung: Ein Zusetzkäfig mit Futterteigverschluss schützt die Königin während der Eingewöhnung. Bei besonders wertvollen Königinnen kann eine zusätzlich verzögerte Freigabe sinnvoll sein.
  • Möglichst wenig Störungen: Nach dem Zusetzen sollte das Volk einige Tage in Ruhe gelassen werden. Eine erste vorsichtige Kontrolle nach ungefähr sieben bis zehn Tagen ist normalerweise ausreichend.

Besondere Vorsicht ist bei schon länger weisellosen oder drohnenbrütigen Völkern geboten. Solche Völker eignen sich nicht für das normale Zusetzen einer wertvollen Königin.

Auch eine neue Königin kann ein stark geschwächtes oder krankes Bienenvolk nicht automatisch wieder gesund machen. Vor dem Umweiseln sollte deshalb immer der Gesamtzustand des Volkes beurteilt werden.

Unser Fazit: Die Königin zuerst etablieren lassen

Das erfolgreiche Umweiseln ist weit mehr als das Austauschen einer Königin.

Es geht darum, die biologischen Voraussetzungen des Bienenvolkes zu verstehen und die passende Vorgehensweise zu wählen.

Während das direkte Zusetzen insbesondere im Frühjahr und Herbst gute Erfolgsaussichten bieten kann, bevorzugen wir während der Königinnenzuchtsaison die Einführung über einen kleinen Kunstschwarm.

Die neue Königin kann sich darin nach dem Transport erholen, wieder regelmässig Eier legen und eine eigene kleine Bienengemeinschaft aufbauen.

Erst danach wird sie zusammen mit ihrem Jungvolk in das Wirtschaftsvolk eingeweiselt.

Dieser zusätzliche Aufwand lohnt sich aus unserer Sicht besonders bei sorgfältig gezüchteten Königinnen.

Natürlich lässt sich auch damit ein Misserfolg nicht vollständig ausschliessen. Mit einer sorgfältigen Vorbereitung, gesunden Bienen und etwas Geduld lassen sich die Voraussetzungen aber deutlich verbessern.

Bienenkönigin richtig zusetzen – unsere praktische Anleitung

Du möchtest wissen, wie du einen kleinen Kunstschwarm bildest, eine begattete Königin im Zusetzkäfig einhängst oder ein Wirtschaftsvolk für die Umweiselung vorbereitest?

In unserer ausführlichen Praxisanleitung erklären wir die verschiedenen Methoden Schritt für Schritt – vom Empfang einer versandten Königin bis zur erfolgreichen Vereinigung mit dem Wirtschaftsvolk.

Zur Praxisanleitung: Bienenkönigin erhalten – so gelingt das Zusetzen

Weiterführende Fachinformationen

Dieser Beitrag basiert auf unseren Erfahrungen aus der praktischen Königinnenzucht und folgenden Fachquellen:

UmweiselnKönigin zusetzenKunstschwarmBuckfast
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