Was mich am Sommerhonig begeistert
An der Imkerei fasziniert mich, wie eng die Arbeit der Bienen mit ihrer Umgebung verbunden ist. Unsere Bienenvölker stehen in der Gemeinde Beromünster, im Luzerner Mittelland. Wiesen, Gärten, Hecken und Felder gehören hier zur Landschaft. Für mich beginnt die Geschichte eines Honigs deshalb schon draussen: bei den Pflanzen und den Bedingungen, unter denen die Bienen sammeln.
Gerade Sommerhonig macht mich neugierig. Welche Quellen stehen den Bienen zur Verfügung? Welche prägen die Ernte? Und wie zeigt sich das später im Glas? Diese Verbindung zwischen Landschaft, Bienen und Geschmack macht für mich einen grossen Teil der Freude am Honig aus.
Sommerhonig beschreibt die Saison
Mit «Sommerhonig» ist Honig aus der sommerlichen Tracht gemeint. Als Tracht bezeichnen wir Imker das Nahrungsangebot, das die Bienen nutzen. Der Name legt keine einzelne Pflanzenart und kein festes Verhältnis von Blütennektar zu Honigtau fest.
Auch im Sommer sammeln Bienen Nektar aus Blüten. Je nach Standort und Blütezeit können beispielsweise Linden, Brombeeren und Himbeeren dazu beitragen. Gleichzeitig kann Honigtau eine wichtige Quelle sein. Ein Sommerhonig kann daher überwiegend von Blüten stammen, stark durch Honigtau geprägt sein oder beide Quellen verbinden. Eine solche Verbindung kann bereits im Bienenvolk entstehen, wenn die Sammlerinnen unterschiedliche Quellen eintragen.
Honigtau: eine weitere Quelle für Honig
Honigtau hat einen anderen Ursprung als Blütennektar. Pflanzenläuse und andere pflanzensaftaufnehmende Insekten ernähren sich vom Saft ihrer Wirtspflanzen. Dabei scheiden sie eine zuckerhaltige Flüssigkeit aus: den Honigtau. Bienen sammeln diese Tröpfchen beispielsweise von Blättern und Nadeln und verarbeiten sie zu Honig. Dabei entziehen sie Wasser und geben bieneneigene Enzyme hinzu.
Honigtau kann auf Nadelbäumen wie Fichten und Tannen, aber auch auf Laubbäumen entstehen. Was wir gewöhnlich als Waldhonig kennen, ist vor allem durch Honigtau aus dem Wald geprägt. Der Wald bietet den Bienen allerdings auch blühende Pflanzen. Wald, Blüten und Honigtau sind deshalb eng miteinander verbunden.
Mich fasziniert daran das Zusammenspiel: Pflanzen, kleine Insekten und Bienen tragen gemeinsam zur Entstehung eines Lebensmittels bei. Wie dieser Weg funktioniert, erläutert das Bieneninstitut Celle des LAVES in seinem Beitrag zum Honigtauhonig.
Weshalb jede Saison ihren eigenen Charakter hat
Welche Quellen ergiebig sind, verändert sich von Jahr zu Jahr. Wetter und Pflanzenentwicklung beeinflussen das Angebot. Beim Honigtau kommt hinzu, wie sich die Populationen der honigtauerzeugenden Insekten entwickeln. Temperatur, starke Regenfälle und natürliche Gegenspieler spielen dabei eine Rolle.
Ein Wald in der Umgebung bedeutet deshalb noch keine sichere Honigtauernte. Ebenso wenig lässt sich aus dem Kalender ablesen, welche Quelle am Ende den Sommerhonig prägt. Genau das hält meine Neugier wach: Ich kann die Saison aufmerksam begleiten, doch die Natur bestimmt das Angebot.
Farbe und Aroma geben Hinweise
Viele Honigtauhonige sind dunkler als die meisten Blütenhonige und schmecken kräftig, würzig oder malzig. Blütenhonige zeigen ihrerseits eine grosse Vielfalt. Auch sie können dunkel sein, etwa Edelkastanienhonig.
Die Farbe allein verrät deshalb nicht zuverlässig, woher ein Honig stammt. Für eine fundierte Sortenbestimmung werden mehrere Merkmale zusammen betrachtet, darunter Geruch und Geschmack, mikroskopische Merkmale sowie physikalische und chemische Eigenschaften. Einen anschaulichen Einblick in die Unterschiede gibt das LAVES zur Farbe des Honigs.
Beim Probieren interessiert mich diese Vielfalt mehr als eine schnelle Einordnung. Wirkt der Honig eher blumig oder würzig? Ist sein Aroma zurückhaltend oder bleibt es lange am Gaumen? Sich dafür einen Moment Zeit zu nehmen, gehört für mich zum Genuss.
Flüssig oder kristallisiert – beides gehört dazu
Auch die Konsistenz hängt von der Zusammensetzung ab. Viele Honigtauhonige bleiben wegen ihres vergleichsweise niedrigen Glukosegehalts länger flüssig. Eine Garantie ist das jedoch nicht: Enthält ein Honigtauhonig viel Melezitose, eine weitere Zuckerart, kann er besonders stark auskristallisieren, teilweise schon in den Waben.
Kristallisation ist ein natürlicher Vorgang. Wie schnell sie abläuft, hängt unter anderem von der Zuckerzusammensetzung, dem Wassergehalt und der Temperatur ab. Kristalle allein sind kein Zeichen dafür, dass Honig verdorben ist. Zu Hause bewahrst du ihn am besten gut verschlossen, kühl, trocken und dunkel auf. Fachliche Hintergründe bietet BienenSchweiz zu Lagerung und Kristallisation.
Wenn du Sommerhonig probierst, nimm zuerst einen kleinen Löffel pur und lass ihn langsam auf der Zunge zergehen. So kannst du seine Eigenheiten in Ruhe entdecken. Für mich liegt darin das Besondere: Ein Glas Honig macht neugierig auf die Landschaft, aus der es stammt – und auf den Sommer, den die Bienen darin festgehalten haben.
