Bienen Naef
Ein Jahr im Bienenvolk

Mai: Die erste Honigernte

Feiner, milder Blütenhonig kommt in den Schleuderraum.

Andreas Naef27. August 20266 min Lesezeit
Glas cremiger Blütenhonig von Bienen Naef

Im Mai steht die erste Honigernte an. Wann es so weit ist, bestimmen die Blüte, das Wetter und die Reife des Honigs. Sind die Waben überwiegend verdeckelt und stimmt der Wassergehalt, ernten wir die Frühtracht.

Wann der Honig reif ist

Vor der Ernte prüfen wir den Honig sorgfältig:

  • Verdeckelung: Die Waben sind überwiegend mit einer dünnen Wachsschicht verschlossen.
  • Spritzprobe: Beim kräftigen Stoss der Wabe tritt kein Nektar aus den offenen Zellen aus.
  • Wassergehalt: Mit dem Refraktometer kontrollieren wir, ob der Wassergehalt deutlich unter 18 Prozent liegt.

Die Verdeckelung allein genügt als Reifezeichen nicht. Entscheidend ist die Prüfung des Honigs, insbesondere seines Wassergehalts.

So ernten wir

  1. Bienenfluchten einsetzen: Vor der Ernte setzen wir Bienenfluchten zwischen Brut- und Honigraum ein. Durch sie können die Bienen den Honigraum verlassen, gelangen aber nicht wieder zurück.
  2. Honigwaben entnehmen: Sobald die Honigräume weitgehend bienenfrei sind, nehmen wir die reifen Honigwaben zur Verarbeitung mit.
  3. Waben entdeckeln: Wir entfernen die feinen Wachsdeckel und legen damit den Honig in den Zellen frei.
  4. Schleudern und sieben: Wir schleudern den Honig ohne Wärmezufuhr, sieben ihn doppelt und lassen ihn im Klärbehälter ruhen.
  5. Abschäumen und rühren: Wir entfernen aufgestiegene Luftbläschen und feine Wachsteilchen. Anschliessend rühren wir den Honig während der beginnenden Kristallisation und füllen ihn feincremig ab.

Wir erhitzen unseren Honig nicht und achten bei jedem Verarbeitungsschritt auf einen schonenden Umgang. Unsere Frühtracht aus Löwenzahn, Obstblüten und Raps bringt den Geschmack des Frühlings ins Glas.

Weitere Arbeiten im Mai

Neben der Honigernte bleiben wir auch bei der Völkerpflege und Königinnenzucht gefordert:

  • Völker regelmässig auf Schwarmstimmung kontrollieren
  • Jungvölker bilden, mit Königinnen versorgen und bedarfsgerecht füttern
  • Begattungseinheiten vorbereiten und Zuchtserien betreuen
  • Bei Bedarf weitere Honigräume aufsetzen und das Wabenlager sauber halten

Tipp aus der Praxis

Die Völker behalten immer genug Futter für Regenperioden. Nach der Ernte kontrollieren wir jedes Volk – zwei kalte Wochen im Mai können ein starkes Volk sonst in Not bringen.

Honig ist der ehrlichste Spiegel der Landschaft – die Ernte ist nur der letzte Handgriff einer ganzen Saison.
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