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Bienengesundheit

Tropilaelaps: Eine neue Gefahr für unsere Honigbienen

Nach der Varroamilbe könnte mit Tropilaelaps ein weiterer gefährlicher Parasit die europäische Imkerei herausfordern. Die Milbe entwickelt sich rasch in der Bienenbrut, ist schwer zu erkennen und kann ganze Völker gefährden. Neue Forschungsarbeiten und Erfahrungen aus Georgien zeigen, worauf sich auch die Schweizer Imkerei vorbereiten sollte.

Andreas Naef13. Oktober 202610 min Lesezeit
Nahaufnahme einer Brutwabe mit mehreren weissen Bienenlarven und Puppen. Auf ihren Körpern sind kleine, rotbraune Tropilaelaps-Milben zu erkennen.

Eine Milbe, die noch gefährlicher werden könnte als Varroa

Die Tropilaelaps-Milbe stammt ursprünglich aus Asien. Ihr natürlicher Wirt ist unter anderem die Riesenhonigbiene (Apis dorsata). Nachdem die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) in Asien eingeführt wurde, gelang der Milbe der Wirtswechsel. Besonders die Art Tropilaelaps mercedesae verursacht erhebliche Schäden an Bienenvölkern.

Dr. Maggie Gill von der britischen Forschungsorganisation PHIRA-Science untersucht seit mehreren Jahren die Biologie, Verbreitung und Bekämpfung dieser Milbe. An einem Vortrag beim Imkerverein Dresden stellte sie aktuelle Forschungsergebnisse und ihre Erfahrungen aus betroffenen Imkereien in Asien und Georgien vor.

Ihre zentrale Botschaft: Tropilaelaps ist kein theoretisches Zukunftsproblem mehr. Die Milbe breitet sich aus und könnte die europäische Imkerei vor ähnlich grosse, möglicherweise sogar grössere Herausforderungen stellen als die Varroamilbe.

Video: Fachvortrag von Dr. Maggie Gill

Die Aufzeichnung des Fachvortrags beim Imkerverein Dresden ergänzt diesen Beitrag mit zahlreichen Beispielen, Forschungsresultaten und Einblicken in betroffene Imkereien.

![Videovorschau: Dr. Maggie Gill über Tropilaelaps (YouTube)](https://www.youtube.com/watch?v=rlKx0BT9PwA)

[Vortrag «Tropilaelaps: Eine weniger bekannte, aber umso grössere Bedrohung» auf YouTube ansehen](https://www.youtube.com/watch?v=rlKx0BT9PwA)

Was macht Tropilaelaps so gefährlich?

Tropilaelaps und Varroa haben eine Gemeinsamkeit: Beide vermehren sich in der verdeckelten Bienenbrut. Ihre Biologie unterscheidet sich jedoch in mehreren entscheidenden Punkten.

Tropilaelaps entwickelt sich deutlich schneller. Während die Entwicklung einer Varroamilbe länger dauert, können Tropilaelaps-Nachkommen bereits nach ungefähr sechs Tagen geschlechtsreif sein. Dadurch kann sich der Parasit in einem brütenden Bienenvolk sehr rasch vermehren.

Ein weiterer Unterschied betrifft die Zeit ausserhalb der Brutzelle. Varroamilben verbringen während ihres Lebenszyklus mehrere Tage auf erwachsenen Bienen. Tropilaelaps verlässt die Brutzelle dagegen meist nur für kurze Zeit, um anschliessend wieder eine geeignete Brutzelle zu befallen.

Hinzu kommt eine besondere Fortpflanzungsfähigkeit: Untersuchungen haben gezeigt, dass selbst unbegattete Tropilaelaps-Weibchen sowohl männliche als auch weibliche Nachkommen hervorbringen können.

Diese Eigenschaften ermöglichen ein schnelles Populationswachstum, insbesondere in Bienenvölkern mit durchgehend vorhandener Brut.

Erhebliche Schäden an der Bienenbrut

Auch das Schadbild unterscheidet sich von jenem der Varroamilbe.

Während Varroamilben innerhalb einer Brutzelle typischerweise eine gemeinsame Frassstelle nutzen, verursachen Tropilaelaps-Milben zahlreiche Frassstellen am Körper der sich entwickelnden Biene.

Die Folgen können gravierend sein:

  • Absterbende Larven und Puppen
  • Lückenhaftes, unregelmässiges Brutbild
  • Missbildungen an Flügeln, Beinen und Hinterleib
  • Geschwächte und verkürzt lebende Arbeiterinnen
  • Zunehmender Verlust der Volksstärke bis zum Zusammenbruch des Bienenvolkes

Besonders problematisch ist, dass ein befallenes Volk von aussen noch relativ gesund erscheinen kann. Der tatsächliche Schaden wird häufig erst bei einer genaueren Untersuchung der Brut sichtbar.

In stark befallenen Völkern kann sich die Situation innerhalb weniger Monate dramatisch verschlechtern.

Die Ausbreitung Richtung Mitteleuropa

Lange Zeit war Tropilaelaps hauptsächlich aus asiatischen Ländern bekannt. Mittlerweile wurde die Milbe auch in Regionen nachgewiesen, die deutlich näher an Mitteleuropa liegen.

In Russland und Georgien wurden etablierte Populationen festgestellt. Im August 2026 bestätigten die türkischen Behörden zudem einen Tropilaelaps-Ausbruch in der nordöstlichen Provinz Artvin, nahe der georgischen Grenze.

Weitere Meldungen stammen unter anderem aus Belarus und von der Krim. Diese waren zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung allerdings noch nicht ausreichend wissenschaftlich bestätigt.

Für die Schweiz gibt es bisher Entwarnung: Gemäss Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) wurde Tropilaelaps hierzulande noch nicht nachgewiesen.

Die Entwicklung zeigt jedoch, dass sich das Verbreitungsgebiet verändert. Wann und ob die Milbe die Schweiz erreichen wird, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.

Stand der Verbreitungsinformationen: Oktober 2026.

Wie verbreitet sich die Milbe?

Ein Schwerpunkt der Forschung von Maggie Gill beschäftigt sich mit den Übertragungswegen.

Besonders offensichtlich ist die Verbreitung über befallene Bienenvölker und Brutwaben. Doch neuere Untersuchungen zeigen, dass Tropilaelaps auch auf anderen Wegen verschleppt werden kann.

In Laborversuchen konnten die Forschenden nachweisen, dass einzelne Milben auf lebenden erwachsenen Honigbienen mehr als vier Tage überleben können. Auf abgestorbenen Bienen und Puppen waren unter Versuchsbedingungen sogar Überlebenszeiten von bis zu acht Tagen möglich.

Diese Erkenntnisse sind wichtig, weil bisher angenommen wurde, dass Tropilaelaps ausserhalb der Brut nur sehr kurze Zeit überleben könne.

Auch Bienenschwärme können die Milbe verbreiten

In Georgien untersuchte das Forschungsteam einen natürlichen Bienenschwarm aus einem befallenen Volk.

Acht Milben gelangten mit dem Schwarm in die neue Behausung. Vier überlebten die erste Woche, zwei davon konnten sich später in der neu angelegten Brut erfolgreich vermehren.

Die Untersuchung zeigt, dass auch natürliche Schwärme einen möglichen Übertragungsweg darstellen.

Ein weiteres eindrückliches Beispiel lieferte 2025 ein Frachtschiff auf dem Weg in die USA. An Bord befand sich ein Schwarm asiatischer Riesenhonigbienen, bei dessen Untersuchung später 28 Tropilaelaps-Milben nachgewiesen wurden. Der Schwarm hatte sich über Wochen ohne Brut auf dem Schiff befunden.

Damit rücken neben dem Handel mit Bienenvölkern und Königinnen auch gebrauchte Imkereimaterialien und internationale Transportwege stärker in den Fokus.

Tropilaelaps erkennen: Der Blick in die Brut ist entscheidend

Die Früherkennung stellt eine besondere Herausforderung dar. Tropilaelaps-Milben sind kleiner und schlanker als Varroamilben und bewegen sich ausgesprochen schnell.

Weil sich der grösste Teil der Milbenpopulation in der verdeckelten Brut aufhält, können Untersuchungen, die vorwiegend auf erwachsene Bienen ausgerichtet sind, einen Befall übersehen.

Auch ein unauffälliger natürlicher Milbenfall auf der Bodeneinlage ist deshalb kein zuverlässiger Ausschluss eines Tropilaelaps-Befalls.

Eine neue Methode: Rapid Brood Decapping

Eine besonders interessante Entwicklung ist das sogenannte Rapid Brood Decapping, also das rasche Öffnen verdeckelter Brutzellen.

Bei dieser Methode werden handelsübliche Enthaarungs-Wachsstreifen auf eine geeignete Fläche verdeckelter Arbeiterinnenbrut aufgebracht und anschliessend abgezogen. Dadurch lassen sich zahlreiche Zelldeckel gleichzeitig entfernen.

Die sehr beweglichen Milben können anschliessend auf der geöffneten Brutoberfläche beobachtet werden. Mit einem Smartphone lassen sich die Bewegungen filmen und später genauer betrachten.

In wissenschaftlichen Feldversuchen konnte mit diesem Verfahren ein Befall in über 90 Prozent der untersuchten befallenen Völker erkannt werden. Gleichzeitig überlebten mehr als 90 Prozent der behandelten Brut.

Die Methode ist damit eine vielversprechende Ergänzung zur bisherigen Brutuntersuchung.

Für die Praxis bedeutet dies: Eine gezielte Kontrolle der Brut könnte künftig einen wichtigen Bestandteil der Tropilaelaps-Überwachung bilden.

Können varroaresistente Bienen auch Tropilaelaps widerstehen?

Für die Zucht varroaresistenter Honigbienen stellt sich eine besonders interessante Frage: Schützt das Hygieneverhalten, insbesondere VSH (Varroa Sensitive Hygiene), auch gegen Tropilaelaps?

VSH-Bienen können von Varroamilben befallene Brutzellen erkennen, öffnen und die befallene Brut entfernen. Dadurch wird die Vermehrung der Varroamilbe unterbrochen.

Untersuchungen zeigen, dass Honigbienen grundsätzlich auch gegenüber Tropilaelaps-befallener Brut hygienisches Verhalten zeigen können.

Maggie Gill machte jedoch auf eine mögliche Schwierigkeit aufmerksam.

Weil sich Tropilaelaps schneller entwickelt, können die Milben bereits fortpflanzungsfähig sein, wenn Arbeiterinnen die befallene Zelle öffnen. Erfolgt das Öffnen relativ spät, könnten überlebende Milben die Zelle verlassen und rasch neue Brutzellen befallen.

Gill berichtete von entsprechenden Beobachtungen aus befallenen Völkern. Ob und unter welchen Bedingungen hygienisches Verhalten dadurch die Milbenvermehrung sogar begünstigen kann, muss weiter untersucht werden.

Für die Zucht bedeutet das: Varroaresistenz darf nicht automatisch mit Tropilaelaps-Resistenz gleichgesetzt werden. Entscheidend sind die konkreten Abwehrmechanismen der Bienen und der Zeitpunkt, zu dem diese wirksam werden.

Es bleibt deshalb eine wichtige Forschungsaufgabe, mögliche Resistenzmerkmale gegenüber beiden Parasiten gezielt zu untersuchen.

Was wissen wir über die Bekämpfung?

Die Erfahrungen aus Georgien zeigen, dass die bekannten Varroa-Behandlungskonzepte nicht ohne Weiteres auf Tropilaelaps übertragen werden können.

Viele Behandlungsmethoden wirken vorwiegend auf Milben, die sich ausserhalb der verdeckelten Brut befinden. Weil Tropilaelaps diese Phase stark verkürzt, kann die Wirksamkeit eingeschränkt sein.

Ameisensäure zeigt vielversprechende Ergebnisse

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung, an der Maggie Gill beteiligt war, untersuchte die Wirkung zweier ameisensäurehaltiger Präparate in georgischen Bienenvölkern.

Die Ergebnisse waren vielversprechend: Beide Präparate erreichten eine hohe Wirksamkeit gegen Tropilaelaps innerhalb der Brutzellen.

Gleichzeitig zeigte sich, dass die Wirksamkeit gegen Varroa deutlich stärker von den jahreszeitlichen Bedingungen abhängig war.

Ameisensäure ist allerdings kein unproblematisches Behandlungsmittel. Insbesondere ungünstige Anwendungsbedingungen können zu Belastungen und Schäden bei Bienen und Königinnen führen.

Die Studienergebnisse sind deshalb keine allgemeine Behandlungsempfehlung. Für die Schweizer Imkerei sind weiterhin die zugelassenen Präparate, ihre Anwendungsvorschriften und die Empfehlungen der zuständigen Fachstellen massgebend.

Brutunterbrechung als weiterer Ansatz

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, der Milbe ihre wichtigste Lebensgrundlage zu entziehen: die Bienenbrut.

Durch das Käfigen der Königin oder andere Verfahren der Brutunterbrechung lässt sich die Vermehrung von Tropilaelaps vorübergehend unterbrechen. In Kombination mit geeigneten Behandlungsmethoden zeigen wissenschaftliche Untersuchungen vielversprechende Resultate.

Dass dies in der Praxis funktionieren kann, berichtete Maggie Gill anhand zweier Imkerinnen aus Georgien.

Die beiden betreuen einen vergleichsweise isolierten Bienenstand und arbeiten mit wiederholten Brutunterbrechungen, engmaschiger Befallskontrolle sowie gezielten Behandlungen.

Damit konnten sie ihre Bienenvölker trotz Tropilaelaps-Befall erfolgreich überwintern.

Der Aufwand ist allerdings erheblich. Nach eigener Einschätzung benötigen die beiden inzwischen ungefähr viermal so viel Arbeitszeit für ihre Imkerei wie vor dem Auftreten der Milbe.

Dieses Beispiel zeigt, dass ein Umgang mit Tropilaelaps grundsätzlich möglich sein kann, allerdings mit weitreichenden Auswirkungen auf die Betriebsweise.

Was bedeutet das für die Schweizer Imkerei?

Noch ist Tropilaelaps in der Schweiz nicht nachgewiesen. Trotzdem ist es sinnvoll, sich bereits heute mit dem Parasiten und seinen Eigenschaften vertraut zu machen.

Besonders wichtig erscheinen folgende Punkte:

  1. Brutgesundheit aufmerksam beobachten. Auffällige Brutbilder, geschädigte Puppen und missgebildete Bienen sollten konsequent abgeklärt werden.
  2. Einschleppungsrisiken minimieren. Beim Bezug von Bienen, Königinnen, Brutwaben und gebrauchtem Material aus dem Ausland ist besondere Vorsicht angebracht.
  3. Neue Diagnosemethoden kennenlernen. Die Früherkennung erfordert zum Teil andere Verfahren als die gewohnte Varroakontrolle.
  4. Forschung und Empfehlungen verfolgen. Bei der Bekämpfung bestehen noch erhebliche Wissenslücken. Neue Erkenntnisse müssen sorgfältig auf ihre Praxistauglichkeit geprüft werden.
  5. Verdachtsfälle melden. Tropilaelaps gehört in der Schweiz zu den überwachten Tierseuchen. Bereits ein begründeter Verdacht sollte unverzüglich mit der zuständigen Bieneninspektorin oder dem Bieneninspektor abgeklärt werden. Verdächtiges Material sollte nicht eigenmächtig weitergegeben oder verstellt werden.

Fazit: Vorbereitung statt Panik

Tropilaelaps besitzt Eigenschaften, die den Parasiten für unsere Honigbienen besonders gefährlich machen. Die schnelle Vermehrung, die enge Bindung an die Brut und die schwierige Früherkennung können dazu führen, dass ein Befall lange unbemerkt bleibt.

Die Erfahrungen aus Asien und Georgien zeigen aber auch, dass sich Bienenvölker unter bestimmten Bedingungen mit geeigneten Massnahmen erhalten lassen. Entscheidend sind eine zuverlässige Überwachung, wirksame Bekämpfungskonzepte und ein gutes Verständnis der Biologie des Parasiten.

Noch haben wir in der Schweiz die Möglichkeit, uns vorzubereiten, bevor die Milbe möglicherweise eingeschleppt wird.

Die wichtigste Erkenntnis aus dem Vortrag von Maggie Gill lautet deshalb: Je früher wir Tropilaelaps erkennen und verstehen, desto besser sind unsere Chancen, die Bienenvölker vor den Folgen eines Befalls zu schützen.

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Quellen und weiterführende Informationen

Dieser Beitrag basiert auf einem Fachvortrag von Dr. Maggie Gill, PHIRA-Science, beim Imkerverein Dresden. Der Vortrag wurde von Dr. Friederike Finsterbusch ins Deutsche übersetzt. Die Inhalte wurden redaktionell aufbereitet und mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen sowie aktuellen Informationen zur Tierseuchenlage ergänzt.

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