Bienen Naef
Königinnenzucht

Königinnenzucht mit Herzblut – ein Blick hinter die Kulissen

Eine winzige Larve, sorgfältige Pflege und eine neue Königin: Diese Entwicklung fasziniert mich immer wieder. Ich gebe dir einen Einblick in meine Königinnenzucht – vom Umlarven bis zur Begattung und zu den Eigenschaften, die mir bei der Auswahl wichtig sind.

Andreas Naef09. Juni 20267 min Lesezeit
Weiselzellen in der Buckfast-Königinnenzucht

Eine winzige Larve – und so viel Potenzial

Was mich an der Königinnenzucht besonders begeistert, ist der Anfang: eine kleine Larve, aus der sich unter geeigneten Aufzuchtbedingungen eine Königin entwickeln kann. Die Ammenbienen versorgen sie mit Königinnenfuttersaft, dem Gelée royale. Diese besondere Ernährung ist wesentlich dafür, dass aus einer weiblichen Larve eine Königin wird.

Die eigentliche Aufzucht leisten die Bienen. Meine Aufgabe ist es, geeignete Muttervölker auszuwählen, gute Bedingungen zu schaffen und die Arbeitsschritte sorgfältig aufeinander abzustimmen. Gerade dieses Zusammenspiel macht für mich den Reiz aus: Ich kann viel vorbereiten und begleiten, doch die Entwicklung bleibt ein lebendiger Vorgang.

Bei Bienen Naef widme ich mich der Buckfast-Königinnenzucht. Mein Ziel sind vitale, sanftmütige und leistungsfähige Bienenvölker, die zu unseren örtlichen Bedingungen passen. Jede Nachzucht ist dabei auch eine Entscheidung darüber, welche Eigenschaften ich weiterführen möchte.

Die Bienen geben den Takt vor

Bevor ich Larven für die Nachzucht auswähle, steht die Beurteilung des Muttervolkes. Mich interessiert, wie sich das Volk entwickelt, wie es sich bei der Arbeit verhält und wie es über die Saison hinweg zurechtkommt. Eine einzelne gute Beobachtung erzählt dabei nur einen Teil der Geschichte.

Beim Umlarven werden sehr junge weibliche Larven behutsam in vorbereitete Weiselnäpfchen umgesetzt. Im Anbrüter nehmen die Pflegebienen die angebotenen Larven an und beginnen mit der Königinnenaufzucht. Dafür braucht es eine gesunde, starke Pflegeeinheit mit vielen jungen Bienen und ausreichend Nahrung. Aus den Näpfchen entstehen die späteren Weiselzellen.

Der zeitliche Rahmen ist erstaunlich kurz: Vom Ei bis zum Schlupf einer Königin vergehen rund 16 Tage. Als Orientierung gilt «3–5–8»: ungefähr drei Tage als Ei, fünf Tage als offene Larve und acht Tage in der verdeckelten Weiselzelle. Die letzte Phase umfasst die weitere Larvenentwicklung und das Puppenstadium.

Die 16 Tage zählen ab der Eiablage. Beim Umlarven einer etwa eintägigen Larve sind bereits ungefähr vier Tage vergangen; bis zum Schlupf bleiben dann rund zwölf Tage. Für die genaue Planung ist deshalb das Larvenalter entscheidend. Die Fachinformationen der LWG zur Königinnennachzucht erläutern diese Entwicklung und die einzelnen Arbeitsschritte.

Für mich gehört zu dieser Arbeit beides: ein klarer Kalender und aufmerksames Beobachten. Termine helfen, Kontrollen und den Schutz der Weiselzellen rechtzeitig vorzubereiten. Gleichzeitig zählt, wie sich die Bienen und die Zellen tatsächlich entwickeln.

Mit dem Schlupf beginnt der nächste Schritt

Eine frisch geschlüpfte Königin ist zunächst unbegattet. Erst nach einigen Tagen wird sie geschlechtsreif. Bei der natürlichen Begattung paart sie sich im Flug mit mehreren Drohnen. Einen Teil der Samenzellen speichert sie in ihrer Samenblase für die spätere Eiablage.

Bis eine junge Königin Eier legt, braucht es weitere Zeit. Als Orientierung gelten etwa zwei bis drei Wochen nach dem Schlupf; die tatsächlichen Bedingungen können diesen Zeitraum verändern. Hier ist Geduld gefragt. Ein Schlupftermin lässt sich deutlich genauer planen als eine erfolgreiche natürliche Begattung.

Auch die väterliche Seite gehört zur Zucht. Belegstellen mit ausgewählten Drohnenvölkern und instrumentelle Besamung ermöglichen gezielte Anpaarungen. Welche Eigenschaften die Nachkommen zeigen, hängt von beiden Elternseiten und den Bedingungen ab, unter denen das Volk lebt.

Welche Eigenschaften mir wichtig sind

Mich interessiert das ganze Volk. Bei der Auswahl stehen für mich mehrere Eigenschaften nebeneinander:

  • Vitalität: Ich möchte Völker, die sich der Jahreszeit entsprechend entwickeln, gesunde Brut aufziehen und gut überwintern. Versorgung und Haltungsbedingungen gehören bei der Beurteilung dazu.
  • Sanftmut: Ruhige, gut zu bearbeitende Bienen machen die Arbeit am Stand angenehmer. Wichtig ist das Verhalten bei wiederholten Beobachtungen, einschliesslich ihres Verhaltens auf den Waben.
  • Honigleistung: Eine gute Honigleistung gehört zu meinen Zielen. Für faire Vergleiche müssen Standort, Trachtangebot und Betriebsweise berücksichtigt werden. Eine grosse Ernte allein macht noch kein überzeugendes Zuchtvolk.
  • Varroaresistenz: Besonders am Herzen liegt mir, natürliche Abwehrmechanismen gegen die Varroamilbe züchterisch zu stärken. Dafür braucht es geeignete Prüfungen und eine langfristige Auswahl.

Varroaresistenz: ein Ziel, das mich antreibt

Die Vorstellung, dass Bienen den Varroabefall stärker aus eigener Kraft begrenzen können, fasziniert mich. Ein Ansatz ist die Varroa Sensitive Hygiene, kurz VSH. Dabei erkennen Arbeiterinnen von Varroamilben befallene Brut und räumen sie aus. Das kann die Vermehrung der Milben stören. Mehr dazu beschreibt der Buckfastimkerverband Schweiz.

Genau hinzusehen bleibt entscheidend: Ein niedriger Milbenbefall zu einem einzelnen Zeitpunkt beweist noch keine genetische Resistenz. Auch Umweltbedingungen, imkerliche Massnahmen und eingetragene Milben beeinflussen den Befall. Der Zuchtfortschritt muss deshalb anhand belastbarer Beobachtungen und geeigneter Prüfungen beurteilt werden.

Zum verantwortungsvollen Umgang gehört weiterhin, den Varroabefall zu kontrollieren und bei Bedarf geeignete Massnahmen zu ergreifen. Das erläutern Agroscope und der Bienengesundheitsdienst auch in ihrem Beitrag zur befallsorientierten Varroabehandlung.

In der Zuchtgruppe IGEL engagiere ich mich gemeinsam mit anderen für diese langfristige Arbeit. Der Austausch und die gemeinsame Weiterentwicklung der Zuchtlinien sind mir wichtig. Bis sich eine Nachzucht bewährt, braucht es Zeit und sorgfältige Beurteilung.

Meine Faszination liegt in dieser Verbindung: die Entwicklung von der winzigen Larve zur Königin zu begleiten und zugleich über Generationen an gesunden, widerstandsfähigen Völkern zu arbeiten. Dafür nehme ich mir gerne die nötige Zeit. Für mich steckt darin das Herzblut der Königinnenzucht.

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