Wer spontan eine Zuchtserie starten möchte, steht oft vor der Frage: Wie kann ich in kurzer Zeit geeignete Pflegebienen bereitstellen, ohne ein separates Startervolk vorzubereiten?
Der Starter ohne Wartezeit bietet hierfür eine einfache und zuverlässige Lösung. Diese Methode nach Jos Guth nutzt die Honigräume starker Völker und lässt sich jederzeit schnell umsetzen – ideal für kleine bis mittlere Zuchtserien oder wenn kurzfristig umgelarvt werden soll.
Rationelle Königinnenzucht leicht gemacht
Die Methode zeichnet sich durch ihre Effizienz aus: Anstatt Tage im Voraus ein spezielles Startervolk aufzubauen, wird die vorhandene Bienenmasse eines Wirtschaftsvolkes genutzt. Dies spart Zeit und Ressourcen am Bienenstand.
Aufbau des Starters
- Als Ausgangspunkt dient ein besonders starkes Wirtschaftsvolk mit mindestens zwei Honigräumen. Dieses wird an einen neuen Standort am Stand versetzt, sodass die Flugbienen den neu gebildeten Starter zusätzlich verstärken.
- An den ursprünglichen Platz kommt ein neuer Boden, auf den ein Absperrgitter gelegt wird. Es verhindert, dass Jungköniginnen oder Drohnen in den Honigraum gelangen.
- Darauf werden die Honigräume des Wirtschaftsvolkes aufgesetzt, darüber erneut ein Absperrgitter und eine Leerzarge.
- Von allen Brutwaben mit offener Brut werden die Bienen – ohne Rücksicht auf die Königin – in diese Leerzarge abgestossen. Sollte die Königin dabei sein, bleibt sie auf dem Absperrgitter sitzen und kann problemlos in den Brutraum zurückgegeben werden.
- Mit ein paar Rauchstössen ziehen die Bienen in die dunkleren Honigräume, und die Leerzarge kann entfernt werden. Durch die zurückkehrenden Flugbienen entsteht ein sehr starkes, pflegebereites Bienenvolk.
Zustand und Verwendung
Nach kurzer Zeit befinden sich im Starter viele Bienen, vor allem junge Pflegebienen, zusammen mit ausreichend Vorräten – und das Volk ist hoffnungslos weisellos.
Weiterpflege der Weiselzellen
- Nach etwa 24 Stunden werden die angepflegten Zellen dem Starter entnommen und zur Weiterpflege in den Honigraum starker, weiselrichtiger Völker über Absperrgitter gehängt.
- Alternativ – und in der Praxis oft erfolgreicher – können die angepflegten Zellen in Wabentaschen direkt in den Brutraum starker, weiselrichtiger Finisher-Völker gegeben werden.
- Zwischen den offenen Brutwaben herrscht das optimale Klima: gleichmässige Temperatur, hohe Luftfeuchtigkeit und ein hoher Anteil an Ammenbienen. Diese Bedingungen sorgen für eine besonders intensive Pflege und gleichmässige Entwicklung der Weiselzellen.
- Ein weiterer Vorteil: Die Zellen werden in dieser Position weniger verbaut, und auch bei Temperaturschwankungen bleibt das Pflegeumfeld stabil.
- Sobald die Zellen verdeckelt sind, können sie entnommen und bis kurz vor dem Schlupf im Brutschrank aufbewahrt werden.
Vorteile dieser Methode
- Schnell verfügbar: Kein Aufbau eines separaten Starters nötig.
- Zuverlässig: Hohe Annahmequote durch starke Pflegebienen.
- Einfach: Nutzung vorhandener Völker ohne grösseren Aufwand.
- Praxisnah: Jederzeit im Saisonverlauf anwendbar.
Der Starter ohne Wartezeit ist eine praxisnahe Methode für Züchterinnen und Züchter, die flexibel auf den Zuchtverlauf reagieren möchten – mit besten Pflegebedingungen und ohne unnötige Vorbereitung.
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