Die Mini-Plus-Beute hat sich in der Königinnenzucht als äusserst praktikabel und flexibel erwiesen. Dieser Leitfaden beschreibt die strukturierte Erstellung von Begattungseinheiten in Mini-Plus-Beuten für die Belegstelle.
Im Vergleich zu kleineren Systemen wie Apidea-Kästchen bieten Mini-Plus-Beuten deutlich mehr Raum für Brut, Futtervorräte und Bienenmasse – dadurch sind sie weniger anfällig für Versorgungslücken und Witterungseinflüsse. Mini-Plus-Beuten ermöglichen eine stabilere Volksentwicklung, eine längere Nutzung der Einheit über mehrere Zuchtserien hinweg und können bei entsprechender Vorbereitung auch gut überwintert werden.
Für eine erfolgreiche Begattung ist jedoch eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend. Der Leitfaden beschreibt die Auswahl geeigneter Brutwaben, die richtige Fütterung sowie den optimalen Zeitpunkt für das Zusetzen der Weiselzelle. Ziel ist es, robuste Einheiten mit stabiler Versorgung und guter Annahmebereitschaft für die heranwachsenden Königinnen zu schaffen.
Vorbereitung der Mini-Plus-Beuten
Vor der Bildung der Begattungseinheiten sollten alle Materialien vollständig vorbereitet und einsatzbereit sein. Jede Einheit besteht aus einer Mini-Plus-Beute mit entsprechender Ausstattung:
- Mini-Plus-Beute mit Fluglochrosette (mit Königinnen- und Drohnensperre)
- Rähmchen mit Mittelwänden oder Anfangsstreifen
- Futtertasche mit Futterteig
- Plastikabdeckung (optional)
Das Drohnensperrgitter sollte idealerweise innen im Bereich des Fluglochs angebracht werden. Dadurch wird verhindert, dass es sich beim Transport verschiebt oder unabsichtlich entfernt wird. Zudem kommt die Königin nicht in Bedrängnis und kann gut ausweichen, damit sie keinen Schaden nimmt.
Befüllung der Futtertaschen
Zur Befüllung der Futtertaschen sollte ausschliesslich normaler, fester Futterteig verwendet werden. Ungeeignet sind Hefe-Futterteig oder Honig. Diese fördern mikrobielle Prozesse, was zu Gärung, Durchfall oder anderen Erkrankungen führen kann. Flüssigfutter birgt zudem die Gefahr des Auslaufens während des Transports – besonders in kleinen Einheiten wie der Mini-Plus kann dies zum Ertrinken der Bienen oder zur Verklebung des Innenraums führen. Darüber hinaus locken stark duftende Futtermittel wie Honig fremde Bienen an und begünstigen Räuberei.
Fester Futterteig – z. B. Apifonda – ist besonders geeignet. Der 15-kg-Block hat sich bewährt, da er im Vergleich zu kleineren Gebinden (1 kg oder 2,5 kg) eine festere, formstabilere Konsistenz aufweist. Er bleibt auch bei höheren Temperaturen stabil und verhindert, dass sich Bienen darin festkleben.
Zur Anwendung wird der Block mit einem scharfen Messer portioniert. Die Futtertasche sollte vollständig befüllt werden, um die Versorgung der Einheit während des gesamten Aufenthalts auf der Belegstelle sicherzustellen.
Erstellung der Mini-Plus-Einheiten
Der Umfang der Bestückung von Mini-Plus-Einheiten richtet sich nach Einsatzzweck und verfügbarer Bienenmasse – möglich sind sowohl vollständige 6-Waben-Einheiten als auch kompaktere Varianten mit drei Waben.
Vollständige Mini-Plus-Einheit (6 Waben):
- 2 Brutwaben mit etwas offener Brut und ansitzenden Bienen (keine Drohnen, keine Drohnenbrut!)
- 2 Rähmchen mit Mittelwänden oder Anfangsstreifen
- 1 volle Futterwabe
- 1 Futtertasche mit festem Futterteig
Kompakte Einheit (3 Waben):
- 1 Brutwabe mit etwas offener Brut und ansitzenden Bienen (keine Drohnen, keine Drohnenbrut!)
- 1 Rähmchen mit Mittelwand oder Anfangsstreifen
- 1 volle Futterwabe
- 1 Futtertasche mit festem Futterteig
Vollständig bestückte Mini-Plus-Einheiten sind zu bevorzugen. Sie gewährleisten eine bessere Versorgungslage, ein stabileres Mikroklima und einen zuverlässigeren Wärmehaushalt.
Die Begattungseinheiten sollten idealerweise am Abend gebildet und anschliessend für 24 Stunden in einem kühlen, dunklen Keller untergebracht werden. Während dieser Zeit bleiben sie verschlossen und ungestört stehen. Der Kelleraufenthalt beruhigt die Bienen, fördert die Bildung einer stabilen Einheit und erhöht die Annahmebereitschaft für die später zugesetzte Weiselzelle.
Zusetzen der Weiselzelle
Nach 24 Stunden werden die Begattungseinheiten an einem schattigen Standort aufgestellt – idealerweise unter Bäumen oder an einem Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Die Fluglochrosetten werden in der Stellung mit Königinnensperre geöffnet, sodass die Bienen ausfliegen, die jungen Königinnen jedoch nicht entweichen können.
Anschliessend werden schlupfreife Weiselzellen zugesetzt. Dadurch können die jungen Königinnen direkt und auf natürliche Weise in ihre Völker schlüpfen. Wissenschaftliche Studien und Praxiserfahrungen zeigen übereinstimmend, dass dieses Zeitfenster optimal ist: Die Bienen haben den Verlust der alten Königin vollständig realisiert und nehmen die zugesetzte Weiselzelle zuverlässig an – ohne dass bereits eigene Nachschaffungszellen angelegt wurden.
Auffuhr zur Belegstelle
Nach weiteren 24 bis 48 Stunden, wenn sich die Bienen eingeflogen haben und das Volk eine gewisse Stabilität erreicht hat, können die Mini-Plus-Einheiten zur Belegstelle transportiert werden. Der Transport sollte vorzugsweise in den frühen Morgenstunden oder während der Nacht erfolgen, um Stress und Überhitzung zu vermeiden. Während des gesamten Transports bleiben die Fluglöcher sicher verschlossen, um ein Entweichen der Bienen zu verhindern. Es ist darauf zu achten, dass die Mini-Plus-Beuten standsicher untergebracht sind und eine ausreichende Belüftung gewährleistet ist, um Hitzestau zu vermeiden.
Nach dem Transport werden die Einheiten in der vorgesehenen Aufstellung auf der Belegstelle positioniert und geöffnet.
Falls kein Drohnensperrgitter innerhalb der Beute im Bereich des Fluglochs montiert wurde, wird die Fluglochrosette in die Stellung mit Drohnensperre gebracht. Diese verhindert, dass fremde Drohnen in die Begattungseinheiten eindringen, und ermöglicht gleichzeitig den freien Ausflug der Arbeiterinnen und der jungen Königin.
Diese Anleitung wurde unter der Creative Commons CC0 1.0 Universell Public Domain Dedication veröffentlicht. Du darfst sie kopieren, verändern, verbreiten und aufführen – sogar für kommerzielle Zwecke – ohne um Erlaubnis bitten zu müssen. Über einen Hinweis auf das Originaldokument und den Autor freuen wir uns. 2025, Andreas Naef, https://www.bienen-naef.ch